Meinungen – Tobias Meier

Liebe Flintbekerinnen und Flintbeker,

mein Name ist Tobias Meier, ich bin 37 Jahre alt und ich unterrichtet in diesem Monat seit nunmehr zehn Jahren Mathematik und Geschichte an Ihrer Schule am Eiderwald in Flintbek. Es ist bereits viel gesagt und geschrieben worden, ich wende mich heute aber trotzdem an Sie, weil ich die berechtigte Sorge habe, dass der Diskurs über den bevorstehenden Bürgerentscheid über die Frage des Schulneubaus immer weiter an Sachlichkeit verlieren könnte.

Die Gegner des Schulneubaus schüren seit Wochen finanzielle Ängste, romantisieren den jetzigen Standort und verklären dabei ein altertümliches Bild von Schule, welches nichts mehr mit der gesellschaftlichen Realität im Jahr 2020 zu tun hat und schrecken zuletzt nicht einmal davor zurück, den Lehrkörper öffentlich zu diffamieren.

Ich möchte ehrlich mit Ihnen sein, ich bin Historiker und genieße regelmäßig den wunderbaren Blick aus einigen Klassenzimmern über das Eidertal und erfreue mich an der Lage des historischen Standorts. Das ist aber auch das einzig Positive, dass ich über den jetzigen Standort und die bestehenden Gebäude sagen kann. Ich bin, wie beschrieben, aber auch Mathematiker und da zählt für mich immer auch das Ergebnis. Mein Ziel ist es, Ihre Kinder und Enkel bestmöglich auszubilden und sie gemeinsam mit Ihnen und Ihren Familien auf das Leben vorzubereiten. Dass dies in den vergangenen zehn Jahren immer schwieriger geworden ist, liegt nicht nur in Flintbek auf der Hand, sondern auch im Rest von Schleswig-Holstein. Eine flächendeckende Veränderung der Familienstrukturen, Inklusion und Migration führen dazu, dass die Anforderungen an Schule und Lehrerschaft immens gestiegen sind. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, bedarf es eines Schulgebäudes, das sowohl quantitativ, als auch konzeptionell anders ausgestattet ist. Diese Voraussetzungen sind an einem Standort, der zu großen Teilen in den 50er bis 70er Jahren errichtet wurde, nachweislich weder wirtschaftlich, noch nachhaltig zu gewährleisten.

Dass die Schule am Eiderwald trotzdem überregional einen sehr guten Ruf besitzt, liegt einzig und allein daran, dass die Gemeinde Flintbek in den letzten Jahren versucht hat, das teilweise marode und antiquierte Gebäude durch flickenartige Sanierungen und durch eine möglichst gute Ausstattung auszugleichen und an einem hochprofessionellen Kollegium, das es mit viel Herz und Einsatz geschafft hat, aus diesen Gegebenheiten das Bestmögliche herauszuholen. Doch unsere Gesellschaft verändert sich weiter und es fehlt an Fachkräften in vielen Bereichen, im Handwerk und in der Pflege ist die Lage sogar dramatisch. Auch deshalb braucht es in Flintbek eine gute Grund- und Gemeinschaftsschule, in der zukunftsorientiert und barrierefrei gearbeitet werden kann.

Ich wende mich insbesondere in einer Stimmung an Sie, in der die Neubaugegner mit einer, meiner Meinung nach, rufschädigenden Schmutzkampagne versuchen, Sie von Ihrer Sache zu überzeugen. Ich bitte Sie liebe Flintbekerinnen und Flintbeker, hinterfragen Sie diese Mittel und hinterfragen Sie, ob es dabei tatsächlich um eine sachliche Betrachtung im Sinne des Gemeinwohls der Einwohner Flintbeks geht, oder um persönliche Interessen und parteipolitische Eitelkeiten.

Hinterfragen Sie bitte auch meinen Antrieb diesen Text zu schreiben. Es lässt sich immer viel behaupten, doch ich sage Ihnen genau das gleiche, was ich meinen Schülern immer wieder versuche zu vermitteln: „Bitte machen Sie sich ein eigenes Bild von der Sache.“ Ich bin zwar kein Flintbeker, aber nach zehn Jahren Arbeit an dem Ort an dem Sie leben, ist mir Flintbek wichtig geworden. Meine Schüler, ihre Kinder und Enkel sind mir wichtig geworden, deshalb treffen Sie Ihre Entscheidung nicht aus dem Bauch heraus, sondern nach Abwägung der tatsächlichen Fakten. Das haben Ihre Kinder, Enkel und Flintbek verdient.

Tobias Meier
Lehrer Schule am Eiderwald

Darum beim Bürgerentscheid mit stimmen!